Archiv für Juli 2005

Tactics against Terror?

Freitag, 29. Juli 2005

Nach den Anschlägen in London vor zwei Wochen und dem ebenso "tragischen Tod" von Jean Charles de Menezes, diskutiert die International Herald Tribune heute die Frage nach der angemessenen Taktik gegen den Terror.

Der erste Kommentar mit dem Titel "When the profile fits the crime" versucht  Indikatoren für das frühzeitige Erkennen potentieller Selbstmordattentäter zu definieren. Paul Sperry bevorzugt in dieser Hinsicht eine Veröffentlichung des U.S. Department of Homeland Security. "Suicide bomber indicators include a shaved head or short hair cut. A short hair cut or recently shaved beard or mustache may be evident by differences in skin complexion on the head or face. (They) may smell of herbal or flower water, as they may have spread perfume on themselves, their clothing, and weapons to prepare for paradise." In der Meinung des Autors sind diese Kriterien weitaus effektiver als die übliche ‘Renn&Rucksack Kombination’

"When you have to shoot first", der  Beitrag von Haim Watzman, geht einen Schritt weiter. Das Ende des Kommentars liest sich wie folgt: "So the officer who killed Menezes did a horrible thing. But he also did the right thing. One of the tragedies of this age of suicide bombers – indeed of any war – is that the right thing to do is sometimes a horrible thing. Remember: There’s an essential distinction between us and the suicide bombers. The suicide bombers perpetrate gratuitous horrors. We do terrible things only when it is neccessary to prevent something even worse from happening."

Ich fange lieber gar nicht erst damit an, mich über die Arroganz dieser Sichtweise auszulassen. Wirklich besorgniserregend finde ich aber, dass eine Meinungseite in einer internationalen Zeitung zum Stichwort "Tactics against terror" nur zwei Dinge anzubieten hat. Erstens, wie man denn nun Verdächtige identifizieren kann. Zweitens, wie man sich rechtfertigt, wenn der Verdacht unbegründet war und die Person trotzdem getötet wurde.

Bin ich der einzige, dem zum sogenannten "Internationalen Terrorismus" noch ein paar andere Dinge einfallen?

United Nations Interns of the Month July

Mittwoch, 20. Juli 2005

The United Nations Office in Geneva is proud to present the interns of the month July 2005. The award is presented to outstanding interns for their contribution to the United Nations Family on a highly unofficial basis.

This month’s winners are:

  • Mademoiselle Cécile Rousseau (picture middle background)
  • Monsieur Olivier La Garde (picture left).

Intern of the Month July.jpg 

The United Nations wish to express their most sincere gratitude to Cécile Rousseau and Olivier La Garde for their highly dedicated dedication, their stubborn willingness to work unpaid, their continuing efforts to be in the office on time and for succeeding to do so occasionally. The United Nations Office in Geneva is also especially thankful to these two most remarkable interns for leaving so much of their money at the Cafeteria and the Bar Serpent.

Mister Olivier La Garde deserves additional recognition for being exceptionally French – not only on the 14th of July but way beyond. Nobody is really sure what exactly he did in the office, yet he performed superbly.

Madame Cécile Rousseau has proved an unbreakable enthusiasm for frequent and extended breaks. Her passion for coffee and cigarettes, so far, remains unchallenged.

Furthermore, both of them never hesitated to struggle for the ideals of the United Nations even after they had finished their duties in the office. (See picture above.) The High Jury form the 10th floor wishes to congratulate this months’ winners and encourages all other UN interns to follow their example.

Zu blöd um rechts zu sein?

Mittwoch, 6. Juli 2005

Ich denke es wird Zeit, wieder einmal eine Kontroverse ins Rollen zu bringen. Keine Softwähr-Kempfe heute. Stattdessen künstlerische Freiheit in der neuen deutschen rechten Hip Hop Szene. Angeregt wurde dieser Beitrag durch eine Mail von einem Freund mit folgendem Inhalt:

Freitag, 10.06.2005

Politiker fordern TV- und Radiosender auf, Videoclips und Songs (überwiegend von Agggro Berlin) von der Playlist zu streichen. In denen wird nämlich nicht nur die Grenze des guten Geschmacks überschritten,
sondern auch Gewalt verherrlicht. Monika Griefhahn (SPD): ‘Wenn jemand 20 mal am Tag hört ‘Ich fick Dich in die Urinblase’, dann geht er raus und die Gewaltbereitschaft ist dann höher als wenn das nicht der Fall
ist.’

Nachdem in letzter Zeit immer mehr Berliner Hip Hop Videos ( Bushido ‘King of Kingz’ & Aggro’s ‘Ansage 2′) auf den Index landeten, greifen nun auch Politiker ein, wollen die Jugend schützen und fordern die Medien auf, derartige ‘rassistischen, pornografischen und aggressiven’ Videos und Songs von der Playlist zu streichen. Monika Griefahn (SPD): ‘Es kann nicht sein, dass sich die Sender ihrer hier so wichtigen
Verantwortung entziehen’.

Aggro Berlin distanziert sich von solchen Vorwürfen!

Hier die offizielle Aggro Presse Mitteilung:

‘Aggro Berlin und Künstler die bei uns arbeiten werden permanent mit dieser Forderung in Verbindung gebracht und somit wird suggeriert, dass bei uns erschienene Musik und dazu gehörige Musikvideos in o.g.
Schubladen passen würden. Wir verwahren uns entschieden gegen derartige Unterstellungen. Keiner unserer Künstler oder Mitarbeiter ist rechtsradikal. Dieser Vorwurf ist absurd und entbehrt jeder Grundlage.
In keinem unserer Musikvideos wird zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen oder anderweitig Gewalt verherrlicht. Die Künstler, die ihre Musik bei Aggro Berlin veröffentlichen, sind Produkte des Umfeldes und der Gesellschaft in der sie leben.

In ihren Texten schildern sie unter Zuhilfenahme von künstlerischen Stilmitteln in einem Hip Hop typischen Kontext die Realität, in der sie aufgewachsen sind. Man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln: die Gesellschaft hat diese Personen und die Welt in der sie leben geschaffen. Nicht umgekehrt. Genausowenig wie Marilyn Manson Schuld am Massaker an der Columbine Highschool ist, ist Sido nicht verantwortlich für das Verhalten von Kindern auf deutschen Schulhöfen.

Wir weisen darauf hin, dass die von unserer Plattenfirma veröffentlichten Lieder und Videos sämtlich der Kunst- und Meinungsfreiheit unterfallen und wir uns dieses Recht nicht nehmen lassen! Den sich erregenden Politikern und Medien sollte bewusst sein, dass Bemühungen der Kunst Vorschriften zu machen, sie zu instrumentalisieren oder gar zu verbieten immer der erste Schritt in Richtung Diktatur und Faschismus sind. Hier sollte sich jeder, der Fler einen Mangel an Geschichtsbewusstsein vorwirft, an die eigene Nase fassen. Aggro Berlin wird solche Bemühungen anprangern und sich dagegen zur Wehr setzen.’

Ich geb ja zu, dass ich meine Meinung über Herrn Sido nach mehrmaligem Hören des Albums doch recht gründlich geändert habe. Insgesamt hab ich allerdings doch erhebliche Probleme mit Inhalt und Form der Aggro-Acts. In der öffentlichen Diskussion gibt es grob gesagt 3 Meinungen zu dem Thema:

  1. Die sind nicht rechts.
  2. Die sind wohl rechts.
  3. Die sind einfach nur zu blöd.

Nachdem ich die Pressemitteilung des Labels gelesen habe, tendiere ich zu einer Kombination der letzten beiden Antworten. Bevor ich mich aber in ausufernden Begründungen verliere, überlasse ich erstmal euch das Parkett.

(Gleich halb sieben: Ich bin noch im Büro und die Abbeit noch nicht ferdich.)