Archiv für März 2006

Aus dem Postausgang

Mittwoch, 29. März 2006

An die:

Deutsche Bahn AG
Geschäftsbereich Fernverkehr
Regionalbereich West
Kundenbetreuung
Goldgasse 2
50668 Köln

Verehrte Damen und Herren,

Ihren Kollegen und Zugbegleiter Herrn Härter habe ich am 10.3.2006 im ICE 10 zwischen Frankfurt Flughafen Fernbahnhof und Köln Hbf kennen gelernt. Pflichtgemäß bemerkte Herr Härter, dass mein Fahrschein bereits von einem anderen Kollegen entwertet worden war. Dennoch schien der Aufdruck des Entwerters Ihn zu verwirren. Um dieses Verwirrung zu beseitigen, unterrichtete ich Herrn Härter von den folgenden Ereignissen:

Am heutigen Tag trat ich eine Reise von Darmstadt nach Münster an. Nach einen Zwischenstopp in Frankfurt Hbf nahm ich den ICE 28 um 15:44 in Richtung Frankfurt Flughafen Fernbahnhof, um dort in den ICE 506 nach Dortmund umzusteigen. Durch eine Unaufmerksamkeit bestieg ich jedoch nicht den ICE 506 um 16:09 sondern den ICE 1814 um 16:01, der ebenfalls auf Gleis 6 abfährt. In diesem Zug wurde meine Fahrkarte ordnungsgemäß entwertet. Kurz darauf schlief ich ein und wachte in Köln Hbf wieder auf. Da ich erst in Dortmund Hbf umsteigen wollte, erlaubte ich mir, noch einmal einzunicken. Beim nächsten Halt des Zuges war ich mehr als überrascht, anstatt Dortmund Hbf die Anzeige Frankfurt Flughafen Fernbahnhof zu lesen. Da ich eben nicht den ICE 506 bestiegen hatte sondern den ICE 1814 hatte ich verpasst, dass dieser Zug in Köln die Richtung geändert hatte und nun auf dem Weg nach Stuttgart war (ICE 1821). Nachdem ich meinen ursprünglichen Fehler erkannt hatte, suchte ich mir die nächste Verbindung über Köln nach Münster und stieg um 18:17 in den ICE 10.

Nachdem ich Herrn Härter diesen Sachverhalt so dargelegt hatte, bat ich ihn, meinen Fehler zu entschuldigen und meinen Fahrschein bis Köln zu akzeptieren. Herr Härter entgegnete mir, “die Deutsche Bahn AG sei ein Wirtschaftsunternehmen und er könne mich nicht umsonst fahren lassen”. Für die Strecke Frankfurt Flughafen Fernbahnhof – Köln HBF im ICE 10 berechnete mir Herr Härter 43,75€ für die einfache Fahrt zweiter Klasse mit einer Bahncard 25.

Zunächst möchte ich Ihnen zu so pflichtbewussten und korrekten Mitarbeitern wir Herrn Härter gratulieren. Durch seine Unnachgiebigkeit hat er die Wirtschaftlichkeit der Deutschen Bahn AG langfristig gesichert und ihre Wettbewerbsfähigkeit sowohl im bundesdeutschen, als aus internationalen Markt nachhaltig ausgebaut.

Ernsthaft enttäuscht bin ich hingegen von Herrn Härters und ihren Kollegen die den ICE 1821 von Köln HBF nach Frankfurt Flughafen Fernbahnhof betreuen. Es mag noch verständlich sein, dass keiner dieser Kollegen bemerkte, dass ich die Richtungsänderung des Zuges verschlafen habe. Nicht nur unverständlich, sondern gerade zu unverantwortlich erscheint mir jedoch die Tatsache, dass auf der Fahrt von Köln Hbf nach Frankfurt Flughafen Fernbahnhof mein Fahrausweis nicht kontrolliert wurde. Eine Kontrolle hätte ergeben, dass ich für diesen Streckenabschnitt keine Fahrschein besaß. Auch wenn dies von mir unbeabsichtigt gewesen sein mag, hätte ich – wie mir später durch Herrn Härter klar deutlich gemacht wurde – auch für diese Leistung der Deutschen Bahn AG ein entsprechendes Beförderungsentgeld an Ihre Kollegen im ICE 1821 entrichten müssen.

Um die wettbewerbliche Position der Deutschen Bahn AG nicht zu gefährden, rate ich Ihnen, diese Mitarbeiter zu identifizieren und die entsprechenden Konsequenzen einzuleiten. Gäbe es nicht pflichtbewusste Mitarbeiter wie Herrn Härter, würde ich der Deutschen Bahn AG wohl meine Kundentreue versagen.

Mit freundlichen Grüßen.

Johann Jäckel

Anlagen:

Kopien der Orginalbelege

Verloren im Koordinatensystem der Politik

Sonntag, 26. März 2006

Links. Rechts. Neue Mitte. Kann Mensch sich damit politisch verorten? Oder gibt es wenigstens so was wie eine gewisse Kontinuität von "linker" und "rechter" Politik? Viele bestreiten das. Andere, wie zum Beispiel der französische Historiker Alain Minc, meinten: "when I’m asked wheter the division between left and right still has any meaning, the first thought that comes to my mind is that the person who asks the question is not on the left". Und das war wohlgemerkt 1930.

Antwort auf so hochtrabende Fragen habe ich auch nicht parat. Wer sich allerdings mal im Koordinatensystem der Politik verlieren will, kann den Political Compass ausprobieren. Dieser besteht aus zwei Achsen: Economic Left/Right und Libertarian/Authoritarian. Ob sich eine politische Position in zwei Zahlen zusammenfasst läßt, finde ich sehr fragwürdig. Spaß macht der Test trotzdem und lange dauern tut’s auch nicht.

Bei meinem Testlauf bin ich auf stolze -8.88 und -8.77 gekommen. Laut den Betreibern der Seite wäre ich damit "linker" als Nelson Mandela und "libertärer" als der Dalai Lama. Ich gehe allerdings davon aus, dass die beiden den Test nicht selbst ausgefüllt haben. ;)

Buch des Monats…

Donnerstag, 16. März 2006

… ist diesmal Catch 22. Ohne zu viel vorweg zu nehmen, seien hier nur zwei der Pointen erwähnt.

Major Major, der Mann aus der Kurzbeschreibung mit dem lustigen Vater, macht die schnellste Militärkarriere aller Zeiten aufgrund eines peinlichen Computerfehlers. Leider verliert er als Maj. Major M. Major sämtlich Freunde, die er endlich in der Armee gefunden hatte. (Das "M." ist sein Zweitname, der hier aus Gründen der Spannung aber nicht verraten werden soll.)

Ein anderer Charakter ist Lieutenant "Scheisskopf" (später General Scheisskopf). Interessanterweise ist er der einzige, der in der deutschen Übersetzung einen neuen Namen verpasst bekommt. Nun darf er mit Leutnant "Schittkopp" angesprochen werden. Ihr seht schon, es lohnt sich. So, ich melde mich für den Skiurlaub ab.

Generation-P

Donnerstag, 16. März 2006

Aus einer Rund-Mail der DGB Jugend:

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse von jungen Menschen haben in Europa in den letzten Jahren zugenommen. Auch junge Menschen mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss sind vermehrt betrofffen. Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, sehen sich immer mehr Absoventen genötig, prekäre Beschäftigungsverhältnisse einzugehen oder un- oder unterbezahlte Praktika anzunehmen, um auf diesem Weg den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen.

In mehreren Ländern der Europäischen Union – nach derzeitigem Wissensstand besonders in Frankreich, Deutschland, Spanien und auf der Ebene europäischer Insitutionen – hat sich ein regelrechter "PraktikantInnen-Arbeitsmarkt" herausgebildet. Dieser zeichnet sich durch ein extrem hohes Qualifikationsniveau, flexibelste Arbeitszeiten, niedrige Sozialstandards und geringe bis keine Entlohnung aus. Die Folge: Immer mehr reguläre Arbeitsstellen werden offentsichtlich durch PraktikantInnen ersetzt. Da auf diesem ‘PraktikantInnen-Arbeitsmarkt" gar kein oder nur ein sehr geringes Gehalt gezahlt wird, werden keine Steuern und Sozialversicherungsbeitrgäe abgeführt. Indem die Staaten zum Teil den Unterhalt der PraktikantInnen finanzieren, zahlen sie sogar noch drauf.

Gegen diesen Misstand wollen wir uns wehren. Darum rufen der Verein Fairwork, die französische Generation Prekaire und die DBG-Jugend zum ersten europäischen PraktikantInnenstreik auf. Wo? In möglichst vielen Europäischen Städten. Bisher sind Aktionen in Paris, Brüssel und Berlin geplant. Wir möchten Euch ermutigen, weitere Aktionen bei Euch vor Ort zu organisieren.

Wie? Gemeinsames "Logo" der Aktion sind "weiße Masken", welche den Status von PraktikantInnen und prekär Beschäftigten symbolisieren: Die Mitarbeiter, die keinen Namen, kein Gesicht haben und ständig wechseln. Die Masken dienen auch dazu, anonym zu bleiben, was den Betroffenen sehr wichtig ist. Der optische Effekt kann durch einheitlich schwarze Kelidung noch verstärkt werden.

Wann? 1. April – Das Datum ist Programm: "Arbeiten ohne Geld – Das kann nicht euer Ernst sein?" – "Erst Praktikum, dann Job?" – "April, April!" Mit solchen Tranparenten lässt sich hervorragend auf die schizophrene Situation aufmerksam machen. Die Anmeldung der Aktionen sollten nicht als Demonstration (Vermummungsverbot!), sondern als "Performance/Aktion" bei der Stadtverwaltung erfolgen. Weitere Materialien: Flyer/Transparente mit politischen Forderungen und Logos der Unterstützenden.

Begleitende Aktionen: Um die Passen anzusprechen und Aufmerksamkeit zu erzeugen, können kleinen kreative Ansprache/Aktionen am Rande stattfinden, wie z.B. einen PraktikantInnen-Versteigerung: "Kostet nix und macht alles!"

Hintergrund: Die Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass diese Aktionsform mit Masken auch mit wenigen Leuten gut funktioniert und medientaugliche Bilder entstehen. Sind keine Medien da, lohnt sich, Fotos selbst zu machen und den Medien anzubeiten.

Weiter Infos zu europaweiten Aktionen und Bewegungen in Kürze unter: www.generation-p.org

Wie bald is jetzt?

Dienstag, 14. März 2006

"How soon is now?" fragten The Smiths 1984 und machten damit einen super Song, der eigentlich nicht so recht in ihr Repertoire passen wollte.

Unzählige Coverversionen folgten. Unsehlige noch dazu, zum Beispiel von t.A.t.U oder im Vorspann der blöden Serie über die Hexenschwestern, die ich hier bestimmt nicht verlinke. (T.A.T.U. allerdings schon!) Wie gesagt alles Quark.

Daher erstmal das Orginal anhören und dann die Quicksand Coverversion. Ein 1A Video davon gibt es hier. Nostalgie inklusive, wenn Walter vor dem eigentlich Stück noch den besten Song über Prokrastination anspielt. Wem der Sound nicht gefällt, wird vielleicht mit Kopfhörern glücklich. Wer sich dann immer noch beschwert, dem ist nicht mehr zu helfen.

Walter singt am 23.6. im Gleis 22 in Münster die Hits von den Gorilla Biscuits, Quicksand und Rival Schools.

*Update: So ganz will mein Weblog Editor noch nicht mitspielen. Also das erwähnte Video findet ihr hier:

http://youtube.com/watch?v=tvI6ZVdkpYI