Generation-P

Aus einer Rund-Mail der DGB Jugend:

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse von jungen Menschen haben in Europa in den letzten Jahren zugenommen. Auch junge Menschen mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss sind vermehrt betrofffen. Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, sehen sich immer mehr Absoventen genötig, prekäre Beschäftigungsverhältnisse einzugehen oder un- oder unterbezahlte Praktika anzunehmen, um auf diesem Weg den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen.

In mehreren Ländern der Europäischen Union – nach derzeitigem Wissensstand besonders in Frankreich, Deutschland, Spanien und auf der Ebene europäischer Insitutionen – hat sich ein regelrechter "PraktikantInnen-Arbeitsmarkt" herausgebildet. Dieser zeichnet sich durch ein extrem hohes Qualifikationsniveau, flexibelste Arbeitszeiten, niedrige Sozialstandards und geringe bis keine Entlohnung aus. Die Folge: Immer mehr reguläre Arbeitsstellen werden offentsichtlich durch PraktikantInnen ersetzt. Da auf diesem ‘PraktikantInnen-Arbeitsmarkt" gar kein oder nur ein sehr geringes Gehalt gezahlt wird, werden keine Steuern und Sozialversicherungsbeitrgäe abgeführt. Indem die Staaten zum Teil den Unterhalt der PraktikantInnen finanzieren, zahlen sie sogar noch drauf.

Gegen diesen Misstand wollen wir uns wehren. Darum rufen der Verein Fairwork, die französische Generation Prekaire und die DBG-Jugend zum ersten europäischen PraktikantInnenstreik auf. Wo? In möglichst vielen Europäischen Städten. Bisher sind Aktionen in Paris, Brüssel und Berlin geplant. Wir möchten Euch ermutigen, weitere Aktionen bei Euch vor Ort zu organisieren.

Wie? Gemeinsames "Logo" der Aktion sind "weiße Masken", welche den Status von PraktikantInnen und prekär Beschäftigten symbolisieren: Die Mitarbeiter, die keinen Namen, kein Gesicht haben und ständig wechseln. Die Masken dienen auch dazu, anonym zu bleiben, was den Betroffenen sehr wichtig ist. Der optische Effekt kann durch einheitlich schwarze Kelidung noch verstärkt werden.

Wann? 1. April – Das Datum ist Programm: "Arbeiten ohne Geld – Das kann nicht euer Ernst sein?" – "Erst Praktikum, dann Job?" – "April, April!" Mit solchen Tranparenten lässt sich hervorragend auf die schizophrene Situation aufmerksam machen. Die Anmeldung der Aktionen sollten nicht als Demonstration (Vermummungsverbot!), sondern als "Performance/Aktion" bei der Stadtverwaltung erfolgen. Weitere Materialien: Flyer/Transparente mit politischen Forderungen und Logos der Unterstützenden.

Begleitende Aktionen: Um die Passen anzusprechen und Aufmerksamkeit zu erzeugen, können kleinen kreative Ansprache/Aktionen am Rande stattfinden, wie z.B. einen PraktikantInnen-Versteigerung: "Kostet nix und macht alles!"

Hintergrund: Die Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass diese Aktionsform mit Masken auch mit wenigen Leuten gut funktioniert und medientaugliche Bilder entstehen. Sind keine Medien da, lohnt sich, Fotos selbst zu machen und den Medien anzubeiten.

Weiter Infos zu europaweiten Aktionen und Bewegungen in Kürze unter: www.generation-p.org

3 Kommentare zu „Generation-P“

  1. site admin sagt:

    Da wird ganz massiv jetzt wohl auf eine Entwicklung hingewiesen, die gerade unsere Generation betrifft. Es ist wirklich erschreckend, wie manche Firman beinahe ihr gesamtes Tagesgeschäft von Praktikanten und/oder untertariflich bezahlten Auszubildenden bestreiten lassen.

    Ich selbst habe einigermaßen Glück gehabt, was solche Stellen angeht, aber auch an vielen Stellen genau die hier beschriebene Situation kennengelernt.

    Mal sehen, wie hoch die Beteiligung ist und wie man sich da organisiert.

    Ich bin sehr gespannt!

  2. site admin sagt:

    Allerdings ist die Website leider noch nicht freigeschaltet ;)

  3. Bosco sagt:

    Das Thema ist schon länger akut, konnte aber nicht früher angesprochen werden, da man bis vor kurzem den Begriff “PraktikantInnen” gleich mit einer gewissen Monica L. und anderen unaussprechlichen Dingen assoziierte.
    Aber im Ernst: Ich finde das Thema sehr wichtig, aber die Forderung der Studenten nach Kündigungsschutz für Jobs, die sie noch gar nicht haben, wird der Sache nicht gerecht. Als junger Mensch hat man doch kein Interesse daran, sich per Arbeitsgericht an einem Job festzuhalten, wenn es mit dem Chef nicht klappt. Bei älteren kann ich eine solche Verhaltensweise verstehen – und die älteren sind es ja, die die Jobs für die Jungen blockieren. Also müssten die Studenten die Abschaffung des Kündigungsschutzes für ältere fordern. Oder hab ich da was falsch verstanden, oder ist es in der Presse mal wieder ganz falsch dargestellt?

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