kaum eine woche hier und schon durfte ich das erste politische großereignis live im tv miterleben. am dienstag war es wieder mal soweit:
state of the union address by the president.
einmal pro jahr muss der commander-in-chief dem kongress bericht erstatten, was im vergangenen jahr so alles passiert ist. zudem gibt’s noch einige ansagen für bevorstehendes; politikwissenschaftler würden sagen agenda setting.
laut meinen mitbewohnerInnen war die rede von bush dieses jahr recht ungewöhnlich. nicht zuletzt lag das auch daran, dass er direkt zu beginn in sachen gender-mainstreaming punkten konnte:
and tonight I have a high privilege and distinct honor of my own as the first president to begin the state of the union message with these words: “madame speaker”.
mit nancy pelosi durfte zum ersten mal in der geschichte überhaupt eine frau hinter dem präsidenten auf dem podium sitzen. neben ihr ein mies gelaunter dicky cheney. einige kommentatoren merkten dazu an, dass pelosi sich vor der rede extra nochmal in ihren schicken hellgrünen anzoge geworfen habe, um gegenüber dem vizepräsidenten glänzen zu können. (soviel in sachen: wie machen frauen/männer politik.)
was hat der boss denn nun gesagt? viel bla bla, wie zu erwarten, auch einige klare ansagen, jedoch nichts besonders neues. interessant fand ich eine (unkommentierte) statisktik in der new york times. diese hat gezählt, wie oft bestimmte ausdrücke in dieser und den vorangegangenen reden (2001 bis 2007) auftauchten. folgendes ergebnis:
iraq: 0 2 22 24 27 16 34
oil: 0 1 0 0 0 3 9
die zahlen deuten schon ein wenig darauf hin, zwar wird die internationale militärische präsenz der staaten nicht ausdrücklich mit dem bedarf an öl begründet. immer sagt der boss aber so sachen wie:
for too long our nation has been dependent on foreign oil. and this dependence leaves us more vulnerable to hostile regimes, and to terrorists — who could cause huge disruptions of oil shipments, and raise the price of oil, and do great harm to our economy.
wer’s genau wissen will, hier gibt es die vollständige version der rede. ansonsten wenig higlights bis auf einen satz, der mich doch ernsthaft an meinem wortschatz hat zweifeln lassen:
we need to uphold the great tradition of the melting pot that welcomes and assimilates new arrivals.
ich denke bei assimilation dann doch an was anderes als den melting pot. gut selbst der wikipedia artikel verwendet den begriff. trotzdem fühle ich mich vielmehr an die borg erinnert. (oh je, sind das schon die ersten anzeichen von vor-ort-anti-amerikanismus?)