Archiv für September 2007

freedom of speech, anyone?

Donnerstag, 27. September 2007
Critical Update:

Am Dienstag hat die UN Generalversammlung begonnen. Wie es so kommt, sind die Staats- und Regierungschef alle in der Stadt. Die New York Times hat einen lesenswerten Artikeln über die Geschichte politische streitbarer Staatsgäste veröffentlicht.

Dieses Jahr dreht sich alles um den Besuch von Ahmadinejad. Am Wochenende wurde er eine halbe Stunde im Kabel TV interviewt. Am Montag dann hatte ihn die Columbia University als Gastredner eingeladen. Würde gerne wissen, wie das ursprünglich zu Stande gekommen ist.

Nun, der Auftritt begann mit einer Rede von Lee Bollinger, seines Zeichens Präsident der Universität. Dieser nutzte die Gelegenheit, um dem Iranischen Präsidenten klar zu machen, was er von ihm hält. Und das ist nicht viel. Hier klicken und Ihr findet Videos von beiden Reden.

Anmerkung: Die Seite, die die Videos hostet ist mir ein wenig suspekt. Sätze wie: “By passing Neocon and Zionist propaganda off as academically valid points of contention, President of Columbia University Lee Bollinger denounced the President of Iran with an introduction wrought with misinformation and character assassination.” wird mir doch anders zu mute.

Hier noch ein Artikel in der Times, der verschiedene Reaktion auf die Veranstaltung zusammenfasst.

Also seht selbst und vielleicht hat ja noch jemand was neues zum Thema “freedom of speech” zu sagen.

it’s in the game!

Sonntag, 16. September 2007
Basketball wird in den USA groß geschrieben und auch ich bin ein Freund der schnellsten Mannschaftssportart der Welt. (Eishockey kann sich doch kein Mensch anschauen.) Spannend sind dabei nicht nur die Spiele an sich, sondern auch, wie der Sport einen Ausdruck der US-amerikanischen Identität darstellt.

Unvergessen die beiden Begegnungen zwischen dem US Team und der Auswahl der Soviet Union bei der Olympiade 1972 und 1988. Beide Mal hatte der real existierende Kommunismus die Nase vorn. Das war aus Sicht der Staaten nicht nur in Sachen Blockkonfrontation doof . So führte die zweite Niederlage dazu, dass die USA fort an keine blutigen Amateure mehr ins Rennen schickten, sondern die Profis aus der National Basketball Association im nationalen Interesse antreten mussten. Stichwort: Dream Team.

Von da an waren die Staaten kaum noch zu schlagen. Der Zerfall des Ostblocks mag sein Übriges dazu beigetragen haben. Internationale Turniere sind seitdem kaum noch spannend. Wirklich rund geht es vielmehr in den NBA Finals. Zwar wird an deren Ende nicht mehr offiziell der “World Champion” gekürt. (Das fand die FIBA sicherlich nicht sonderlich prickelnd.) Dennoch ist diese Bezeichnung meiner Meinung zumindest in spielerischer Hinsicht angebracht. (Mehr dazu.)

Kurz und gut, während der 90er Jahre war in Sachen Basketball die Welt in den Staaten ganz in Ordnung. Doch dann kam was kommen musste, die Globalisierung machte auch vor den Türen der NBA keinen Halt. Die Zahl der foreign players nahm in den vergangenen Jahren stetig zu. Nicht wenige davon avencierten zu Superstars. Es sei nur das deutsche Wunderkind und den irre großen Chinesen erinnert. (Hier wird sein Geheimnis gelüftet.)

Auch in den Finals 2006/2007 stellte sich heraus, dass die Mannschaft mit den höheren “Ausländeranteilen” erfolgreicher spielten. Interessant ist dabei, wie haarspalterisch Nationalität auch in der NBA verhandelt wird. Eine Reihe von Spielern mögen zwar keine amerikanischen Pässe haben, dennoch haben sie ihre spielerische Ausbildung in der Regel ausschließlich in den Staaten absolviert.

Tim Duncan ist vermutlich eines der besten Beispiele für diese Absurdität. Nicht nur dass er in Atlanta zur High School ging, laut Pass ist Duncan Bürger der United States Virgin Islands. (Wikipedia sagt dazu: The U.S. Virgin Islands are an organized, unincorporated territory of the United States. Even though they are U.S. citizens, Virgin Island residents cannot vote in U.S presidential elections.) So oder so, Duncan zählt in der NBA zur Gruppe der ausländischen Spieler.

Das Ganze wurde nicht direkt als Krise aufgefasst. Dennoch war es bemerkenswert, wie die Übertragungen von Spiele plötzlich zu einer Art sportlicher Geographiestunde wurden. Die Untertöne der Kommentatoren bewegten sich dabei oft zwischen nostalgischer melting pot Rhetorik und einem alarmistischen: “Wir müssen uns warm anziehen!”

Das Thema gibt noch so einiges her. Doch ich will mich zum Abschluss noch ein wenig auf inner-amerikansche Befindlichkeiten im Basketball konzentrieren. Wunderbar eignet sich da ein Ausschnitt aus Spike Lee’s Film “do the right thing”. Der Clip erklärt sich recht gut von selbst. Wissenswert ist noch, dass die Boston Celtics mit Larry Bird (grünes Trikot) den (!) weißen Superstar der 80er Jahre unter Vertrag hatten. Spike Lee hingegen ist seines Zeichens glühender Verehrer der New York Knicks. (Ich sag nur: Lokalderby!)

Zielgruppenprognose: Kommentare will ich zumindest von Doc. B und Jonas sehen.

I want to ride my bicycle

Freitag, 14. September 2007
Heute hatte ich was in Midtown zu erledigen. Für den Heimweg musste ich ein ewig langes Stück auf der Fifth Avenue runter radeln (57th Street bis 10th Street). Das ganze während der Rush Hour: Frakking insanity!!!

Da hab ich mir doch glatt gewünscht, dass ich heute morgen nochmal nach oben gegangen wäre, um meinen Helm mitzunehmen. Um einen kleinen Eindruck zu bekommen ist folgendes Video sicher nicht verkehrt…

Warum ich Robert Heilbroner mag…

Mittwoch, 12. September 2007

Robert L. Heilbroner war während der 70er und 80er Jahre eines der akademischen Aushängeschilder der Graduate Faculty der New School for Social Research. Mehr Politökonom als Wirtschaftswissenschaftler widmete er sich insbesondere den Klassikern: Smith, Ricardo und Marx. Ideologisch saß der dabei zumeist zwischen den Stühlen: Nicht stur genug für einen Marxisten, nicht wischi-waschi genug für einen Liberalen und schon gar nicht blöd genug für einen Neo-Klassiker. (Post-Klassiker wie er sie nennt.)

Als noch alles besser war, also früher, und Ökonomie noch was mit Denken zu tun hatte, ging es in erster Linie um eine Frage: Woher kommt der Wert einer Sache? Was verleiht ihr Wert? Wie manifestiert sich dieser Wert gesellschaftlich? Kurz, Werttheorie war sexy. Und die Männer mit den Bärten stritten sich darüber, ob denn eine Arbeitswert- oder Nutzentheorie angebracht sei.

Nun, letztere hat sich durch gesetzt. (Aber so was von wie!) Heute ist Wert synonym mit dem Preis einer Sache. Kein Wunder in einer Marktwirtschaft, in der jeder ökonomische Tausch freiwillig ist. Wer da nur die Individuen betrachtet, kommt zu dem Schluss, dass der Preis notwendigerweise dem subjektiv empfundenen zusätzlich/aufgegebenen Nutzen entspricht.

Heilbroner hat mit Fürs&Widers der verschiedenen Werttheorien Bücher gefüllt. Warum ich den Robert mag, das steckt allerdings in lediglich zwei Sätzen, in denen er mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream mal eben den Boden aufwischt:

“From a view that sees utilities as the fundamental and irreducible building blocks of price, gross national product (modern: Bruttosozialprodukt) is a meaningless concept, the summatoin of individual experieces of pleasure and pain. This has no more validity than the summation of the enjoyments of an audience at a concert.”

In diesem Sinne spucke ich kräftig in die Hände und empfehle noch The Worldly Philosophers: The Lives, Times and Ideas of the Great Economic Thinkers als Lektüre. (Eventuell ist das hier eine deutsche Übersetzung. Ohne Garantie.)

 

Freitag, 7. September 2007
Melde mich zurück aus der (mehr oder weniger) Internet freien Zeit. Diese Woche hat das neue Semester begonnen. Ab nächste Woche bin ich wieder für 20 Stunden die Woche im Global Clearinghouse.

Zur Feier des Tages ein Video, das mich doch sehr begeistert. Nicht nur, dass Ben Gibbard damals noch rank und schlank war. Noch dazu wird eine Live Version des Björk Covers “all is full of love” gespielt. Eine Studio Version findet sich auf der Stability EP. Lohnenswert. Stichwort: Gspace.