Archiv für Juli 2008

Prädikat lesenswert

Sonntag, 13. Juli 2008

Hin und wieder versuche ich mich ja gerne als Kulturtheoretiker. Dieses Mal im @mundo Forum in Sachen: The NBA: Where Politics happen! Über Basketball, Rassismus und Globalisierung in den USA. Habt Ihr auch ein paar verrutschte Füße auf Eurem Bildschirm?

Nachtrag zum 4. Juli

Sonntag, 6. Juli 2008
Freitag war Independence Day und New York eine einzige Partyzone. Mindestens genau so viele Polizisten auf der Straße wie Hotdogs am East River. Abends dann “smoke on the water, fire in the sky”: Mehr als eine halbe Stunde Feuerwerk courtesy of Macy’s. Ich hab am Nachmittag zum ersten Mal Sonic Youth gesehen und mit gewünscht, ich wäre in einem verrauchten, dunklen Keller anstellen von einem sonning Nachmittag im Park.

Da es sich ja nun mal um einen historischen Feiertag handelt, hier noch ein kurzer Lesetip in Sachen Vergangenheit. Ich arbeite mich gerade durch Howard Zinn: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes. 23 Kapitel nordamerikanischer Geschichte von unten beginnend mit Columbus bis hin zu Bushs Präsidentschaft. Wie Zinn im ersten Kapitel schreibt:

“Wegen der unvermeidlichen Stellungnahme für oder gegen eine bestimmte Seite in der Geschichte ziehe ich es vor, die Entdeckung Amerikas aus dem Blickwinkel der Arawaks zu erzählen, die Verfassung vom Standpunkt der Sklaven, Andrew Jackson, wie er von den Cherokees gesehen wurde; den Bürgerkrieg aus der Perspektive der Iren in New York, den mexikanischen Krieg, wie er von den Deserteuren von Scott?s Armee erlebt wurde; die Industrialisierung vom Leiden der jungen Frauen in den Textilfabriken, den Spanisch-Amerikanischen Krieg aus der Perspektive der Kubaner, die Eroberung der Philippinen aus Sicht der schwarzen US-Soldaten in Luzon, den Ersten Weltkrieg aus der Sicht der Sozialisten und den Zweiten aus jener der Pazifisten; den New Deal, wie er von Schwarzen in Harlem erlebt wurden und den Nachkriegs-Einfluss der USA vom Standpunkt der Billiglohnarbeiter in Lateinamerika.”

Bis jetzt (Kaptiel 4: Bacon’s Rebellion) absolut lesenswert. Erfreulicherweise auch nicht so nervig wie Chomsky es oft ist. Das mag allerdings auch daran liegen, dass ich noch nicht bis in die Nachkriegs-Kapitel von Zinns Buch vorgedrungen bin. Wir werden sehen.

it’s a celebration!!!

Mittwoch, 2. Juli 2008

… what a day.

guns don’t kill people, people do

Dienstag, 1. Juli 2008
Heute wurde das Urteil im Fall Joe Horn verkündigt. Kurz und knapp: Freispruch. Aber wofür? Folgende Geschichte passt tragischerweise allzu gut ins negativ Klischee beladene Bild vom State Texas.

Joe Horn, Renter, bemerkt wie bei seinem Nachbarn (!!!) eingebrochen wird. Er ruft 911 an und meldet den Vorfall. Außerdem macht er klar, dass er eine Schrotflinte hat und sich um die Sache kümmern will. Mehrere erfolglose Versuche des Telefonpolizisten (was heißt “operator” auf Deutsch?) Horn zu überzeugen, im Haus zu bleiben folgen. Schließlich stellt Horn die beiden Einbrecher. Auf der Telefonaufzeichnung hört man nun: “Move, and you’re dead”, und dann zwei Schüsse. Angemerkt sei, dass die beiden Einbrecher illegalisierte Migranten waren und in den Rücken geschossen wurden.

Heute dann Freispruch durch eine Jury: Necessary deadly force… bla … bla … justification … bla … bla … protection of private property … bla … bla …self defense … bla … bla …

Die liberalen und konservativen Polit-Kommentatoren verarbeiten sich gegenseitig zu Hackfleisch. Ich kann und will einfach nicht so recht glauben, dass es sich hier nicht um einen schlechten Film handelt.

Mitschnitt des Telefongesprächs.
Papa Bear Bill O’Reilly brüllt (wie immer) alles nieder
Und gleich nochmal
Hier etwas journalistischer zum rechtlichen Hintergrund